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Eckpunkte für eine Hochschulreform in NRW

Für demokratische, zivile und soziale Hochshulen

Aus dem Beschluss des GEW NRW-Gewerkschaftstages vom 11.-13.4.2013 in Wuppertal:
 

0. Lage
Was an der Uni abverlangt wird, ist weder abzuarbeiten noch hinzunehmen: Hinter der Elite-Fassade herrscht Gerangel um knappe Seminarplätze, das Ba/Ma-Studium ist ein restriktiver, prüfungslastiger Hindernislauf. Die automatisierten Seminarzuteilungsmaschinerien verschärfen das Problem zusätzlich. Studierende und prekär beschäftigte Lehrende werden mit Leistungsvorgaben und Konkurrenzbürokratie überhäuft.

Das ist das Ergebnis der im vergangenen Jahrzehnt maßgeblich durch Schwarz-Gelb vorangetriebenen „unternehmerischen“ Ausrichtung der Hochschulen: Mit Hilfe undemokratischer, vermeintlich „effizienter“ top-down-management-Strukturen, höriger Hochschulleitungen, externer Evaluierungen, Rankings und Drittmitteln soll durchgesetzt werden, dass die Hochschulen dazu dienen, „Europa bis zum Jahre 2010 zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum in der Welt zu machen“ (Lissabon-Strategie). – Europa gegen den Rest der Welt und jeder gegen jeden im Kampf der Wirtschaftsstandorte. D. h., alle Lebensbereiche sollen den Gewinnanforderungen der Arbeitgeber unterstellt werden, die zunehmend im Widerspruch zu den Interessen der Mehrheit der Bevölkerung stehen.
Dafür soll der Mensch zum schlau-dummen, seinen Marktwert veredelnden homo oeconomicus degradiert werden. – Schlau genug, die Anforderungen der hoch technisierten Arbeitswelt erfüllen zu können, dumm genug, brav mit zu machen.

Diese Ausrichtung ist nicht nur aufreibend, sondern gesamtgesellschaftlich im besten Fall unnütz:
Die künstlich geschürte Konkurrenz auf allen Ebenen ist unwissenschaftlich und unproduktiv. Sie behindert die gemeinsame Suche nach Wahrheit und die kooperative Lösung gesellschaftlicher Probleme. An die Stelle von Aufklärung und wissenschaftlichem Diskurs setzt sie organisierten Marketing-Bluff.
Deshalb kann die unternehmerische Hochschule nichteinmal die Anforderungen ihrer Verfechter erfüllen: Sie ist weder in der Lage, kostengünstig und schnell nützliche und bescheidene Arbeitnehmer_innen heran zu ziehen, noch wirtschaftlich verwertbare Forschungsergebnisse auf Anforderung zu liefern.

Erfreuliche Entwicklungsmöglichkeiten liegen brach, die Hochschulen erfüllen ihre gesellschaftliche Funktion, zur Verbesserung der Lebensbedingungen aller beizutragen, kaum noch und die neoliberale Ideologie steckt in der Krise. Gleichzeitig wachsen die Kritik und die Ansprüche der Hochschulmitglieder an die positive Bedeutung ihrer eigenen Arbeit, was zum Beispiel an der Zivilklauselbewegung deutlich wird.
 

1. Aufgaben der Hochschulen
Vor diesem Hintergrund steht eine grundsätzliche Neubestimmung der Aufgaben der Hochschulen in Anknüpfung an die Errungenschaften von 68 an:

  • Bildungsexpansion: Wissen, das nur in Büchern steht, ist weitgehend wertlos. Aufgabe von Hochschulen ist es, maßgeblich dazu beizutragen, dass Aufklärung und Kenntnisse, wissenschaftlich begründete Argumentation, Streit- und Denkkultur, Zivilisierung, Kultur und Geschichtsbewusstsein nicht nur erhalten bleiben und sich neu angeeignet werden, sondern qualitativ und quantitativ massiv erweitert werden.
    Dazu gehört auch kritische Qualifizierung für die Berufspraxis nach dem Studium.
  • Aufklärung: Gegen Lügen, Mystifizierungen, Geheimnistuerei, inhumane Ideologie und Vorenthaltung von Möglichkeiten haben die Hochschulen die Aufgabe aufzuklären. Dafür ist es nicht nur nötig, sich überall öffentlich in Konflikte einzumischen, sondern auch, relevante Konflikte anzustoßen. Durch Freiheit der Wissenschaft von der Inanspruchnahme durch Partikularinteressen ist die dafür nötige Autonomie zu gewährleisten.
    Speziell in den Ingenieurs- und Naturwissenschaften ist der Widerspruch zwischen technisch Möglichem und sinnvoll Angewandtem so groß, dass – trotz aller ungelöster Probleme – Aufklärung die zentrale Aufgabe ist.
  • Erarbeitung von Lösungen gesellschaftlicher Probleme: Hochschulen haben die Aufgabe, sich den gesellschaftlichen Problemen zu stellen und Lösungen im Interesse der Allgemeinheit zu entwickeln – dies gilt erst recht, wenn diese Antworten potenziell nicht profitabel sind oder gar Gewinne beschneiden.
  • Entwicklung: Hochschulen sind Lebens- und Arbeitsraum. Hier entwickeln sich Menschen selbstbestimmt und auf Augenhöhe durch Streiten, Lernen, Forschen und Arbeiten in solidarischem Bezug. Dafür bieten Hochschulen auch Raum für die Beschäftigung mit Themen, die in der Gesellschaft ansonsten nur wenig zur Geltung kommen.
    Hochschulen müssen Raum für die kritische Raserei des Verstandes, für die maßlos involvierte Zeitverschwendung und fürs Scheitern sein.

Die Arbeit aller Beteiligten an einer so konstituierten Hochschule ist gesellschaftlich relevant; sie braucht angemessene Rahmenbedingungen und muss angemessen finanziert werden.
 

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