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STUDIE ZUR SITUTATION DER STUDENTISCHEN BESCHÄFTIGTEN

GEW-Veröffentlichung 04/2012

Studentische Mitarbeiterinnen und  Mitarbeiter sind an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen nicht mehr wegzudenken - bis zu 400.000 von ihnen betreiben Literatur- und Internetrecherchen, fotokopieren, beschaffen Bücher und Zeitschriftenaufsätze in Bibliotheken, redigieren Texte, geben Daten ein, betreuen ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen in Lehrveranstaltungen und helfen bei deren Vorbereitung, sie leiten Tutorien, beaufsichtigen Klausuren, bereiten Tagungen vor, transkribieren Interviews, werten Daten aus und erstellen Statistiken, führen Laborarbeiten aus und überwachen Geräte ... Wie aber sieht die Situation der studentischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tatsächlich aus? Das haben Alexander Lenger, Christian Schneickert und Stefan Priebe in einer durch die Max-Traeger-Stiftung geförderten Studie untersucht, die die GEW jetzt veröffentlicht. Die Studie gibt einen einmaligen Überblick über die Lage der studentischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im deutschen Hochschul- und Forschungssystem. Knapp 4.000 Personen wurden befragt, darüber hinaus vorhandene Daten und Studien ausgewertet. Erstmals liegen umfassende Informationen zum Profil, zu den Beschäftigungsverhältnissen und Arbeitsbedingungen der studentischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor.

Die Studie belegt unter anderem: Tarifverträge wirken. Das Land Berlin ist das einzige Bundesland, in dem Arbeitgeber und Gewerkschaften einen Tarifvertrag für studentische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abgeschlossen haben, der ihre Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen regelt; in allen anderen Ländern sind die studentischen Hilfskräfte explizit vom Geltungsbereich der Tarifverträge ausgeschlossen. Mit der Folge, dass die Vertragslaufzeiten in Berlin deutlich länger sind als in anderen Bundesländern und auch die Stundenlöhne der studentischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutlich über denen ihrer Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern liegen. Dazu passt, dass der Anteil der gewerkschaftlich organisierten studentischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Berlin höher ist als anderswo.

Für die studentischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die Qualifizierungsmöglichkeit und der Erwerbsaspekt zentral für die Aufnahme einer Stelle. Die Studie zeigt, dass neben dem Einkommen vor allem die Qualifikation und bei der Arbeit vermittelten Fähigkeiten aber auch die Einblicke in die Hochschule und das wissenschaftliche Arbeiten die entscheidenden Motive für eine Arbeit an den Hochschulen darstellen. Dies entspricht auch dem Willen der Gesetzgeber, da studentische Hilfskräfte im Bereich Forschung und Lehre eingesetzt werden müssen, in der Verwaltung hingegen dürfen sie nur als normale Angestellte beschäftigt werden. Die Realität hingegen sieht anders aus. Nur 60 Prozent der Studentinnen und Studenten arbeiten "überwiegend" im Bereich Forschung und Lehre.

Die befragten studentischen MitarbeiterInnen sind überwiegend mit ihrer Arbeit zufrieden, was nach Meinung der Autoren nicht auf die eigentlichen Beschäftigungsbedingungen zurückzuführen ist, sondern auf Vorteile im Studium, da durch das Beschäftigungsverhältnis eine bessere Integration in die Fakultät/Institut gegeben und der Kontakt zu den Professorinnen und Professoren intensiver ist. Die Studie weist ferner nach, dass studentische Beschäftigte mit einem ausländischen Pass stark unterrepräsentiert sind: Nur 2,3% der studentischen Beschäftigten waren keine Deutschen, aber 11,3% aller Studentinnen und Studenten haben einen ausländischen Pass.

Die GEW wünscht sich, dass die Forschungsergebnisse von Alexander Lenger, Christian Schneickert und Stefan Priebe dazu beitragen werden, die Diskussion über die Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen der studentischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter voranzubringen. Daran arbeitet die Bildungsgewerkschaft GEW, die Studierende, Hochschulbeschäftigte und damit auch studentische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vertritt und als Mitglieder organisiert. Eine zentrale Forderung der GEW ist die Einbeziehung der studentischen Beschäftigten in den Geltungsbereich der Tarifverträge des öffentlichen Dienstes. Die problematische Lage der studentischen Beschäftigten wirkt sich keineswegs nur auf der individuellen Ebene aus, sondern stellt vielmehr ein strukturelles Problem des deutschen Bildungswesens dar, da hier vor allem junge und hochqualifizierte Personen an Arbeitsverhältnisse gewöhnt werden, die nachhaltige Folgen für die Ansprüche an die Arbeitsbedingungen im gesamten weiteren Karriereverlauf haben - so ein zentrales Ergebnis der vorgelegten Studie.

 


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