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Hochschule und Wissenschaft

 
GEW-Studis NRW positionieren sich zur Hochschulgesetz­novellierung:

Für eine wirkliche Abkehr von der „unternehmerischen Hochschule“

 

 

Am 25.03.2014 hat die NRW-Lan­des­re­gie­rung in Düsseldorf den Ent­wurf für das neue Hoch­schul­zu­kunfts­ge­setz be­schlos­sen.

 
„In der öf­fent­li­chen De­bat­te um den Ende letz­tes Jah­res vor­ge­leg­ten Ent­wurf hat sich der tra­dier­te Kon­flikt darum, in wes­sen Dienst die Hoch­schu­len ste­hen sol­len, zu­ge­spitzt“, er­läu­tert Anna Vasko­va (Spre­che­rIn­nen­team LASS NRW, Stu­den­tin an der TU Dort­mund). „Unter dem da­ma­li­gen FDP-„In­no­va­ti­ons­mi­nis­ter“ Pink­wart wur­den ab 2006 in NRW Stu­di­en­ge­büh­ren, das von Ber­tels­mann ent­wor­fe­ne „Hoch­schul­frei­heits­ge­setz“ sowie Ba­che­lor-​Mas­ter-​Stu­di­en­gän­ge ein­ge­führt. Das waren die drei ent­schei­den­den Maß­nah­men zur ‚un­ter­neh­me­ri­schen‘ Aus­rich­tung der Hoch­schu­len auf die Ver­wer­tungs­in­ter­es­sen lob­by­mäch­ti­ger Wirt­schafts­zwei­ge.“
Dies blieb nicht un­wi­der­spro­chen, er­gänzt Sarah Gie­se­ker (LASS NRW, Pro­mo­ti­ons­stu­den­tin an der Uni Bo­chum): „An­ge­sichts un­se­rer Pro­tes­te konn­ten die Stu­di­en­ge­büh­ren nicht ein­mal eine Le­gis­la­tur­pe­ri­ode lang auf­recht er­hal­ten wer­den, spä­tes­tens seit dem Bil­dungs­streik 2009 gibt es al­lent­hal­ben zu­min­dest klei­ne Kor­rek­tu­ren an den Stu­di­en­gän­gen. Aber wir füh­ren nicht nur Ab­wehr­kämp­fe: Als Teil der Zi­vil­klau­sel­be­we­gung set­zen wir uns dafür ein, dass die Hoch­schu­len zur Zi­vi­li­sie­rung der Welt und eine Ver­bes­se­rung der Le­bens­be­din­gun­gen aller bei­tra­gen.“

Mit der nun an­ste­hen­den No­vel­lie­rung des Hoch­schul­ge­set­zes greift die Lan­des­re­gie­rung diese neu ge­fass­ten An­sprü­che auf. „Wir be­grü­ßen aus­drück­lich, dass die Lan­des­re­gie­rung eine Zi­vil­klau­sel in das Hoch­schul­ge­setz auf­neh­men will. Wir brau­chen Hoch­schu­len, die zur Be­frie­dung der Welt, zu Nach­hal­tig­keit und der Ver­bes­se­rung der Le­bens­be­din­gun­gen aller bei­tra­gen. Das kann aber nur klap­pen, wenn man sich nicht gleich­zei­tig an die­je­ni­gen ver­kauft, die ein In­ter­es­se am Ge­gen­teil davon haben“, gibt Eva Cas­pers (LASS-​Spre­che­rIn­nen-​Team, Lehr­amts­stu­den­tin an der Uni Köln) zu be­den­ken. „Lei­der schafft die Lan­des­re­gie­rung mit dem ak­tu­el­len Ent­wurf nicht die Vor­aus­set­zun­gen für einen ech­ten Rich­tungs­wech­sel: Weder ist eine echte De­mo­kra­ti­sie­rung ge­plant, noch eine drin­gend nö­ti­ge Stu­di­en­re­form – statt­des­sen sol­len sogar die Zwangs­ex­ma­tri­ku­la­ti­ons­re­ge­lun­gen ver­schärft wer­den und alle noch mehr zit­tern. Die schlech­te fi­nan­zi­el­le Grund­aus­stat­tung treibt die Hoch­schu­len wei­ter in die Dritt­mit­tel­ab­hän­gig­keit.“

„Wie schäd­lich die Dritt­mit­tel­aus­rich­tung ist, de­mons­triert die ak­tu­el­le De­bat­te um die Hoch­schul­ge­setz-​No­vel­lie­rung selbst: Fak­tisch ist der An­teil der In­dustrie­gel­der an der Ge­samt­fi­nan­zie­rung der NRW-​Hoch­schu­len sehr ge­ring: Ei­ner­seits ma­chen die Grund­mit­tel des Lan­des trotz der Ver­schlech­te­run­gen der letz­ten Jahre immer noch den Groß­teil der Hoch­schul­fi­nan­zie­rung aus. And­rer­seits kommt nur ein sehr ge­rin­ger Teil der Dritt­mit­tel von der In­dus­trie. Den­noch sind die Er­pres­sungs­ver­su­che der Wirt­schafts­ver­bän­de, die ihr neo­li­be­ra­les Vor­zei­ge-​Hoch­schul­ge­setz ge­fähr­det sehen, in der öf­fent­li­chen De­bat­te sehr do­mi­nant. Die Wirt­schaft kauft sich nicht nur For­schungs­er­geb­nis­se, son­dern auch gro­ßen Ein­fluss für ver­schwin­dend ge­rin­ge Sum­men. Sie wird dabei un­ter­stützt von den Hoch­schul­rek­tor_In­nen, die sich durch An­bie­de­rung an das Pink­wart­sys­tem eta­bliert haben, und nun tun, als wür­den sie für die Hoch­schu­len spre­chen, ob­wohl sie nicht durch diese le­gi­ti­miert sind.“ ord­net Ste­fan Bra­ckertz (LASS-​Spre­che­rIn­nen-​Team, Phy­sik-​Stu­dent an der Uni Köln) die ak­tu­el­le De­bat­te ein. „An­ge­sichts des­sen be­grü­ßen wir es, dass sich zu­neh­mend auch an­de­re Ak­teu­re in die öf­fent­li­che De­bat­te ein­mi­schen. So gibt es außer der sehr de­tail­lier­ten Stel­lung­nah­me des DGB zum Ent­wurf der Lan­des­re­gie­rung in­zwi­schen auch eine von Pro­fes­so­rIn­nen und der GEW NRW ge­tra­ge­ne Un­ter­schrif­ten­kam­pa­gne sowie eine von attac, BdWi und an­de­ren in­iti­ier­te Er­klä­rung zum Thema. An­ge­sichts der öf­fent­li­chen De­bat­te wol­len nun auch wir nach­le­gen und dar­le­gen, wor­auf es bei der an­ste­hen­den Über­ar­bei­tung des Ge­set­zes­ent­wur­fes an­kommt.“
 

 

Wei­te­re Ma­te­ria­li­en:

An­sprech­part­nerin:

GEW-​Stu­dis NRW – Lan­des­aus­schuss der Stu­den­tin­nen und Stu­den­ten in der GEW NRW (LASS)
Eva Cas­pers
0157-​73401090